PERSÖNLICH

MANAGER AUF ZEIT

Wenn Unternehmen temporär nicht das richtige Personal haben, um in eine neue Ära zu starten, kommen sie ins Spiel: die Interim Manager. Sie bringen die notwendige Führungserfahrung mit, die sie vorher in vergleichbaren Situationen gesammelt haben. Der Erfolg ihrer Mission hängt aber von einigen Faktoren ab.

Von Martin Scheele

Die Digitalisierung verändert Strukturen und Prozesse in den Unternehmen in eklatanter Weise. Kaum eine Firma etwa, die Produkte vertreibt, kann auf eine Omnichannel-Strategie verzichten. Nur woher die Expertise zum Aufbau eines digitalen Vertriebskanals nehmen – wenn die Vertriebsorganisation bisher auf dem klassischen Weg die Waren verkauft hat? Die Aufgabenbeschreibung ist wie gemacht für einen Interim Manager. Zumal es nicht nur um die Errichtung eines neuen Vertriebskanals geht, sondern auch um die Weiterbildung des Teams und das Überwinden möglicher Widerstände und Interessenskonflikte.

Die Profession der Interim Manager ist mittlerweile in Deutschland fest etabliert, weiß Sascha Hackstein, Geschäftsführer der neuen Berndtson Interim. „Der Markt wächst kontinuierlich, die Bedarfe werden immer größer.“ Während einige Marktteilnehmer aber nur als „Provider“ unterwegs sind, das heißt Unternehmen die Kandidatenprofile von Interim Managern zur Verfügung stellen, bietet Berndtson Interim nicht nur Hilfe bei der temporären Übernahme von erfolgskritischen Managementaufgaben, sondern auch Managementlösungen für Unternehmen in komplexen Transformationssituationen.

INTERIM MANAGEMENT VON ODGERS BERNDTSON

Odgers Berndtson hat seine Aktivitäten im Interim Management gebündelt und baut diese seit Februar 2019 unter der Marke Berndtson Interim systematisch weiter aus. Mit dem Anspruch auf Qualitätsführerschaft bietet die neue Gesellschaft eines der umfassendsten Angebotsportfolios für Interim Management am Markt: von der branchenerfahrenen Beratung bis zur ergebnisorientierten Umsetzung mit funktionalem, situativem sowie Programm- bzw. Projektfokus. Die beauftragten Interim Manager übernehmen temporär Managementaufgaben in Linienfunktionen und Projekten. Darüber hinaus können Unternehmen besonders auf ihre Expertise in komplexen Veränderungsvorhaben vertrauen.

Umfassendes Verständnis für die Unternehmenssituation

Für Sascha Hackstein zählen zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren eines jeden Mandats das umfassende Verständnis für die Unternehmenssituation, die Kultur des Auftraggebers und die aktuelle Ausgangslage. Darauf aufbauend ist ein klares Konzept, das alle Schritte bis zur Verankerung der Ergebnisse im Unternehmen umfasst, ein weiterer Erfolgsfaktor. „Nur mit diesem fundierten und praxisorientierten Vorgehen lässt sich die langfristige Wirksamkeit der erzielten Resultate sicherstellen“, erläutert Hackstein, der seit vielen Jahren erfolgreich im Interim Management für mittelständische Unternehmen und internationale Konzerne tätig ist. Beispiel: Maschinenbau. Der Spardruck ist auch in der erfolgsverwöhnten deutschen Vorzeigebranche hoch. Nicht zuletzt, weil Fachkräfte im rohstoffarmen Deutschland teuer sind, antworten Unternehmen auf die Herausforderung mit einer zunehmenden Automatisierung ihrer Produktion. Doch Kenntnisse in Industrie 4.0 und anderen modernen Produktionsprozessen sind nicht überall in den Unternehmen vorhanden. Ein Aufbau dieser Strukturen mit eigenen Mitteln würde Jahre dauern, das Risiko, dann den Anschluss zu verlieren, wäre extrem hoch. Eine idealtypische Ausgangssituation für einen Interim Manager. Der Experte kann mit seinen Fähigkeiten und seinem Netzwerk die Produktion schnell auf das zeitgemäße Niveau umstellen.

Notwendige Entscheidungsbefugnisse und Führungserfahrung

In diesem Beispiel bleibend: Bevor der Maschinenbauer jedoch einen Interim Manager anheuert, sollten sich die Verantwortlichen bewusst sein, wofür diese Profession steht. Der externe Manager braucht zwingend die notwendigen Befugnisse, um ins operative Tagesgeschäft eingreifen und Durchführungsverantwortung übernehmen zu können. Konkret muss der Interim Manager für die Umsetzung eines erfolgskritischen Projekts Menschen, Daten und Ressourcen in Anspruch nehmen können.
Schließlich sollte er in einer zeitlich begrenzten Phase – üblicherweise sind die Manager auf Zeit durchschnittlich neun Monate bei dem Unternehmen – ein herausforderndes Problem des Kunden lösen oder mindestens ein Programm zur Ergebnis- oder Wachstumsverbesserung initiieren. Dafür bringt der Interim Manager die notwendige Führungserfahrung mit, die er vorher in vergleichbaren Situationen gesammelt hat – und über die das bestehende Management entweder gar nicht oder nicht in ausreichendem Maße im laufenden Betrieb verfügt.
Notwendigerweise muss die Unternehmensführung von dem Projekt vollends überzeugt sein, überdies muss sie den Neuen in mögliche Konfliktfelder einweihen und problematische Teamkonstellationen im Unternehmen nennen. „Die Unternehmensspitze muss die Veränderung von oben anstoßen und dann zügig und überzeugend die unteren Hierarchien miteinbeziehen, damit die Mission zum Erfolg wird. Andernfalls sind Konflikte vorprogrammiert“, weiß Hackstein aufgrund der Vielzahl der Mandate, die er begleitet hat. Die Einbindung der entscheidenden Interessensgruppen ist ebenfalls vonnöten, damit der Interim Manager reüssiert. Weil der Interim Manager kein persönliches Interesse hat und keine Karriere im Unternehmen gewollt ist, kann er viel deutlicher den Finger in die Wunde legen, aufzeigen, wo falsch gelebte Prozesse verändert werden müssen.

Höchste Methodenkompetenz und belastbares Netzwerk
Nicht zuletzt sollten sich Unternehmen darüber im Klaren sein, dass nicht nur der Einsatz eines Interim Managers Geld kostet, sondern auch dessen Lösungsvorschläge meistens Investitionen nach sich ziehen. Wenn es beispielsweise in der Logistikkette ein Verzögerungsproblem gibt, dann werden aus der Analyse Handlungsfelder und Maßnahmen abgeleitet. Wie erfahrene Interim Manager wissen, gibt es meistens nicht einen einzelnen Grund für die schlechte Performance, sondern viele Ursachen. Die müssen zunächst adressiert und dann nachhaltig gelöst werden. Dies kann ebenfalls mit Investitionen verbunden sein.

Sascha Hackstein
ist Gründer und Geschäftsführer von Berndtson Interim. Er ist seit vielen Jahren erfolgreich im Interim Management für mittelständische Unternehmen und internationale Konzerne tätig, verfügt über ein ausgezeichnetes Netzwerk und einen breiten Branchenhintergrund, der sich vom Maschinen- und Anlagenbau über den technischen Handel bis zu Private Equity erstreckt.
Kontakt aufnehmen

Sascha Hackstein zufolge ist ein Interim Manager idealerweise jemand, der höchste Methodenkompetenz mitbringt, nicht nur aus einer profunden Erfahrung heraus agiert, sondern zukunftsorientiert denkt und handelt und sich ständig mit neuen Technologien beschäftigt. „Damit grenzt sich der Interim Manager auch von den Beratern ab“, sagt Hackstein. „Die Herausforderung, der er sich stellen soll, darf ihm nicht neu sein. Er muss für deren Lösung Kommunikationsstärke, eine hohe fachliche Expertise und idealerweise Branchenkenntnis mitbringen – sowie ein breites und belastbares Netzwerk, das ihn bei Bedarf unterstützen kann“, so der Experte.

Foto und Illustration: Adobe Stock, Yuliia; Frank Blümler

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