ZIPPERTS POSITION

SIE WOLLEN DEINEN KOPF

Hans Zippert ist freier Journalist und Autor der Kolumne „Zippert zappt“ in der WELT sowie WELT AM SONNTAG.

Ein Freund, der im IT-Bereich arbeitet, erzählte mir vor Jahren, er werde immer wieder von Headhuntern angerufen. Ich verstand kein Wort, „Headhunters“ war damals für mich eine Platte von Herbie Hancock mit einer aufregenden Version von „Watermelon Man“. Der Freund klärte mich auf und ich fühlte einen Stich direkt im sozialen Neidzen-trum, denn mich hat noch nie ein Headhunter angerufen, um mir einen lukrativeren Job anzubieten. Dagegen hatte ich häufiger Gespräche mit Personen, die mich fragten, ob ich mir vorstellen könnte, überhaupt nicht mehr für sie zu arbeiten. Wenn ich es allerdings recht bedenke, könnte ich doch mal ins Visier von Kopfjägern geraten sein. Im Alter von 14 Jahren wurde ich direkt auf der Straße von einem Mann angesprochen, der mir einen gut bezahlten Job offerierte. Ich hatte keinen Vergleich, es war meine erste Stelle, daher sagte ich zu und arbeitete vier Jahre lang als Hörzu-Austräger. Nur 32 Jahre später klingelte mein Telefon und ein Mann bot mir eine Kolumne in der Hörzu an. Anscheinend hatten sie mitgekriegt, dass ich ein sehr guter Zeitschriftenausträger gewesen war.

In der Erwachsenenwelt läuft die Kopfjägerei aber anders ab. Gerade für heikle Führungspositionen kann man Kandidaten nicht sorgfältig genug aussuchen und muss alle Tricks der Managementdiagnostik anwenden. Wenn man glaubt, darauf verzichten zu können, dann gibt man Martin Schulz den Posten des Kanzlerkandidaten und riskiert den Ruin eines Traditionsunternehmens. Einen Trainer für den FC Bayern auszuwählen ist auch nicht leicht, jedenfalls muss Uli Hoeneß immer den Eindruck haben, der Name wäre ihm selber eingefallen. Sehr heikel ist die Besetzung eines Postens in der dieselautoerzeugenden Industrie. Der Kandidat muss einerseits unglaublich seriös wirken, aber gleichzeitig voller krimineller Energie stecken. Ex-VW-Chef Matthias Müller sagte jedenfalls, als Chef stehe man „immer mit einem Bein im Gefängnis“, ein kriminelles Bein wäre also zumindest eine Einstellungsvoraussetzung. Gegen alle Regeln verläuft die Kandidatenfindung für den Job des Papstes. Die Frauenquote in dem Laden ist unterirdisch und Headhunter werden nicht gebraucht, sie nehmen sowieso immer einen aus der Firma, wovor ja dringend gewarnt wird. Ist aber auch nur ein Stellvertreterposten.

Fotos: Hans Zippert

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